Es war am 17. September 2017, beim Einstein Marathon in Ulm, als ich meinen größten sportlichen Erfolg erreicht habe. Zumindest im Hinblick auf die Zeit. Mit 3:17:06 Stunden schaffte ich endlich die „sub 3:20“. Ich war auf Wolke 7. Zwar ging ich an meine absoluten körperlichen und mentalen Grenzen, dennoch hatte ich Spaß auf den 42,195 Kilometern. Leider sollte mir der Spaß bald vergehen...

In den Tagen nach dem Marathon ärgerte mich mein Fuß ein bisschen, der Muskelkater war hingegen schnell verflogen. Außerdem war nun eh Regeneration angesagt. Und die lief so gut, dass ich drei Wochen erneut an der Startlinie stand. Bei einem Viertelmarathon. Zeit und Platzierung waren ganz passabel, ich war happy. Laufen ist einfach meine ganz große Liebe.

Und dann, kurze Zeit später kam plötzlich er: der Schmerz. Während ich locker durch die Gegend rannte, machte sich auf einmal mein rechtes Knie bemerkbar. Noch nie hatte ich an diesem Knie irgendwelche Probleme. „Vergeht bestimmt bald wieder“, glaubte ich. Hoffte ich. Der Schmerz blieb. Und traf auch mein linkes Knie. Bei einem Fahrradsturz auf Malta zog ich mir mehrere Prellungen und eine fiese Wunde zu. Nun fiel mir sogar das Gehen schwer. Anstatt beim Luzern Marathon über die 10 Kilometer zu starten, hockte ich in der Notaufnahme, um mir meinen nicht vorhandenen Tetanus-Impfschutz abzuholen.

Mittlerweile sind weitere vier Wochen vergangen. Das Sturz-Knie ist bis auf eine Narbe wieder heil, das „überlastete“ piesackt mich immer noch. Wahrscheinlich ist die Plica, eine Schleimhautfalte, der Übeltäter. Gehen kann ich wieder ganz gut, laufen eher nicht. Meine Stimmung lässt sich ebenfalls in der Kategorie „eher nicht“ einsortieren. Doch ich bin der Überzeugung: Gute Laune und positive Gedanken sind die besten Heilmittel. Deshalb will ich mich nicht länger über „mein Leid“ auslassen. Nein. Es gibt zum einen viel Schlimmeres, zum anderen alternative Sport- und Spaßhab-Möglichkeiten.

Hier sind meine „ultimativen Tipps“, die helfen, während einer Laufpause nicht die Fröhlichkeit und den Verstand zu verlieren.

+++ Nein, für Laufen gibt es keinen Ersatz. Doch wenn das gerade nicht möglich ist, brauche ich wenigstens eine halbwegs gute Sportalternative. Für mich ist es wichtig, dass ich mich auspowern kann und an der frischen Luft bin. Da kein Schnee liegt, um langlaufen zu gehen, bleibt nur Fahrradfahren. Im November? Bei einstelligen Temperaturen? Bis dato war Biken unter 15 Grad ein No Go. Außerdem habe ich nur ein Dreigang-Fahrrad mit Rücktrittbremse. Die gute Nachricht: Alles kein Problem. Im Gegenteil. Ich sitze fast täglich im Sattel. Oder halt: stehe! Das bekommt meinem Knie noch besser, zudem ist stehend Fahrradfahren echt sauanstrengend und schweißtreibend. Da ich Skiklamotten, drei Mützen und Winterschuhe trage, macht mir die Kälte nichts. Wichtig: Funktionskleidung und keine Baumwolle.

+++ Neben meinen Bike-Ausfahrten gehe ich ins Fitnessstudio, wo ich überwiegend den Crosstrainer nutze. Anfangs spürte ich mein Knie manchmal. Da ich alles machen darf, was keine Schmerzen verursacht, suchte ich mir eben eine schmerzfreie Variante: rückwärts treten. Mittlerweile baue ich das sogar freiwillig ein, da es mein Training variiert und sogar die Koordination schult. Außerdem arbeite ich sehr stark mit den Armen, um die Beine bzw. das Knie zu schonen. Der Spaßfaktor ist zugegebenermaßen nicht so hoch – immerhin kann ich mich auspowern. Und ich lenke mich mit guter Musik ab (Schlager!) und beschäftige mich mit meiner Herzfrequenz, was ich beim Laufen selten mache.

+++ Da wäre noch Nummer 3: Aquajogging. Ich wollte es schon so lange mal ausprobieren, jetzt habe ich es getan. Mit Graus bin ich beim ersten Mal ins Becken gehüpft – Schwimmbäder sind einfach nicht so mein Ding –, doch es ist gar nicht so übel. Zumindest kann ich komplett schmerzlos „laufen“, das gibt mir ein gutes Gefühl. Allerdings kriege ich meinen Puls nicht hoch. Kraulen habe ich mit diesem Auftriebsgürtel, den man beim Aquajoggen tragen muss, ebenfalls geübt. Bestimmt sieht es gruselig aus, aber ich bin darauf ein bisschen stolz. Und gewillt, kraulen zu lernen, um in absehbarer Zeit einen Triathlon zu absolvieren.

+++ Natürlich bemühe ich mich, zu kräftigen und zu dehnen. Aber ich bin ganz ehrlich: Viel mehr „als normal“, mache ich da im Moment nicht. An meiner Motivation arbeite ich – weil es sich ja gerade jetzt anbietet. Am liebsten absolviere ich mein Programm Outdoor.

+++ Ich bin ja ein Social Media-Fan. Und vor allem gern auf Instagram aktiv. Trotzdem habe ich es ein bisschen eingeschränkt. Mir ist meine Community super wichtig, und ich interessiere mich für das, was „meine Leute“ aus ihrem Läuferleben berichten – allerdings darf ich mich nicht permanent damit beschäftigen. Das fördert sonst meine eh schon übergroße (Lauf-)Wehmut. Die „freigewordene“ Zeit hab ich bereits genutzt und endlich meine neue Website erstellt.

+++ Dass ich durch die Laufpause insgesamt mehr Zeit habe, kann ich hingegen nicht behaupten. Das Alternativtraining ist noch zeitintensiver. Etwa muss ich doppelt oder dreifach so lange Biken, um auf das Pensum zu kommen, das mich erfüllt. Jedoch ich hab gemerkt, dass ich mich während der letzten Monate fast nur mit dem Laufen beschäftigt habe. Klar, es gehört zu meinem Job, zu meinem Leben – und das wird sich niemals ändern. Trotzdem sollte es weitere Dinge geben, dich mich glücklich machen. Und ich habe sie gefunden! Beispielsweise möchte ich mir demnächst einen Kurztrip nach Barcelona oder London gönnen – zwei meiner Lieblingsstädte. Einfach, um zu bummeln und zu shoppen. Bislang war eine Reise nur „sinnvoll“, wenn ich sie mit einem Lauf verbinden konnte.

+++ Auf der anderen Seite ist es mir super wichtig, auch jetzt ein bisschen Lauffeeling zu spüren. Deshalb trage ich oft meine Laufklamotten und Laufschuhe, das gibt mir ein gutes Gefühl. Selbst, wenn ich nur im Wohnzimmer Stabi mache.

+++ Ich kann nicht behaupten, dass ich künftig das Laufen mehr zu schätzen weiß. Nein. Ich bin seit jeher bei jedem einzelnen Lauf happy und dankbar – ganz gleich, ob es super oder mal nicht so „lief“. An Bewusstsein habe ich aber gewonnen. Ich befasse mich intensiver mit meinem Körper, etwa wie ich mich entzündungshemmend ernähren kann. Versuche, mehr Wasser zu trinken, weniger Milchprodukte zu essen etc.

Alles in allem ist es eine große Herausforderung, weil ich einfach wieder meine Laufschuhe schnüren und losrennen will. Es gibt immer wieder Momente, in denen ich traurig, wütend, verzweifelt, deprimiert bin. Diese Gefühle dürfen sein. Nichtsdestotrotz kämpfe wie eine Löwin, dass sie nicht lange anhalten. Denn ich bin absolut überzeugt, dass Fröhlichkeit, Zuversicht, der Wille und die Selbstheilungskräfte meinem Knie am besten bekommen. Und deshalb freue ich mich jetzt schon wie wahnsinnig auf meinen BALDIGEN Comeback-Lauf ;-)

Foto: Inger Diederich. 

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